die Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus bewegt sich zwischen akuter Intervention und langfristiger Strukturarbeit. Beide Ebenen bedingen sich gegenseitig: Ohne Strukturen und belastbare Wissensbestände fehlt die Grundlage für Handlungssicherheit – ohne konkrete Unterstützung bleibt Wissen folgenlos.
In den Beiträgen in der Rubrik "Netzwerk" zeigt sich dieser Zusammenhang deutlich: Die Vielfalt-Mediathek bündelt nicht nur Materialien aus zwei Jahrzehnten Förderpraxis, sondern macht sie als kollektives Gedächtnis zugänglich – und damit anschlussfähig für aktuelle Herausforderungen. Parallel dazu setzt die Weiterführung des Marburger Masterstudiengangs auf Professionalisierung: Beratung wird hier als eigenständige, reflexive Praxis verstanden, die wissenschaftliche Fundierung und Erfahrung systematisch verbindet. Das neu gestaltete Infoportal Rechtsextremismusprävention bietet eine Suche nach professionellen Anlaufstellen der Rechtsextremismusprävention in ganz Deutschland und macht so Angebote sichtbarer.
Auch die Beiträge im Bereich "Medien" kreisen um diese Verschränkung von Analyse und Praxis. Neue Handreichungen und Studien reagieren auf konkrete Bedarfe – sei es im Umgang mit rechten, rassistischen oder antisemitischen Angriffen, in der Unterstützung von Betroffenen oder in der Reflexion von Rassismus als strukturprägendem Verhältnis. Auffällig ist dabei der zunehmende Blick auf institutionelle Verantwortung: Wissenschaft, Beratung und Gesundheitssysteme geraten gleichermaßen als Orte in den Fokus, an denen sich gesellschaftliche Machtverhältnisse verdichten – und verändern lassen.
Der Fokus auf antifeministische Angriffe in der Gleichstellungsarbeit verdeutlicht schließlich, wie sehr demokratische Infrastruktur selbst unter Druck steht. Angriffe werden hier nicht als Randphänomen, sondern als Teil breiterer Verschiebungen beschrieben, die konkrete Arbeitsbedingungen ebenso betreffen wie politische Handlungsspielräume. Rückblick und Ausblick dieser Ausgabe führen diese Linien weiter – in Debatten um politische Bildung, in Formen des Erinnerns und in neue Räume für Austausch. Sie verweisen damit auf eine zentrale Herausforderung: Handlungsfähigkeit entsteht nicht punktuell, sondern im Zusammenspiel von Wissen, Praxis und öffentlicher Auseinandersetzung.
Herzliche Grüße Das Team des Demokratiezentrums NRW
Netzwerk
Vielfalt-Mediathek: Zugang zu mehr als 5.000 Bildungsmaterialien
Die Vielfalt-Mediathek macht umfangreiches Wissen aus Projekten, die sich gegen Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Gewalt einsetzen, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2006 sammelt die Mediathek Bildungsmaterialien von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie seiner Vorgängerprogramme entwickelt wurden.
Auf diese Weise stehen über 5.000 Bildungsmaterialien wie Publikationen, Videos, Podcasts, Webseiten und viele weitere Formate zu diesen Themen kostenlos zum Download bereit. Die Seite ermöglicht eine Suche nach verschiedenen Themen, Zielgruppen, Medienarten, Sprachen und Inhaltstypen und umfasst Praxismaterialien, Argumentationshilfen, Fachliteratur, Studien und vieles mehr.
Die Vielfalt-Mediathek erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Einerseits dient sie als Gedächtnis der Bundesprogramme, andererseits greift sie aktuelle Entwicklungen auf. Nutzer:innen können sowohl auf bewährte und weiterhin relevante Methoden und Erkenntnisse zugreifen als auch neue Veröffentlichungen nutzen, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.
Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) e. V. ist Trägerin des Projekts. Für Programmträger, welche die Vielfalt-Mediathek noch nicht kennen, hat IDA e.V. in einem Flyer die Aufgaben und Angebote näher erläutert. Die Institutionen werden gebeten, Ihre geförderten Materialien zur Verfügung zu stellen, damit das Angebot aktuell bleibt. Senden Sie Ihre Veröffentlichungen gerne an: mediathek@idaev.de.
Die Weiterführung des Masterstudiengang „Beratung im Kontext Rechtsextremismus“ an der Philipps-Universität Marburg konnte sichergestellt werden. Im WS 2026/27 startet der erfolgreiche Studiengang nun zum dritten Mal. Bewerbungen sind ab 1. Juni 2026 möglich.
Der Studiengang ermöglicht eine fundierte universitäre Weiterbildung, die Wissenschaft und Praxis verknüpft. Die Inhalte umfassen Theorien und Erklärungsansätze zu Rechtsextremismus sowie Demokratietheorien, ebenso wie Methoden der Beratung, der Sozialraum- oder Netzwerkanalyse und Recherche und die Reflektion der eigenen Haltung im jeweiligen Handlungsfeld. Theorie und Praxis werden vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen der Praxis diskursiv behandelt.
Das berufsbegleitende Studium richtet sich an Fachkräfte in der Beratung gegen Rechtsextremismus (Mobile Beratung, Betroffenenberatung, Ausstiegsberatung), sowie allen Fachkräften, die einschlägige Erfahrungen in der Beratung, in der politischen Bildung oder der sozialen Arbeit im Bereich Rechtsextremismus bzw. Demokratiebildung mitbringen. Der Studiengang ermöglicht eine fundierte universitäre Weiterbildung, die Wissenschaft und Praxis verknüpft.
Wer sich für das Studium interessiert, kann sich persönlich beraten lassen. Fragen rund um Inhalte und Ziele des Studiums, Zulassungsvoraussetzungen, Studiengebühren sowie zur Vereinbarkeit von Studium und Beruf bzw. Familie unter ma-berex@uni-marburg.de
Ab dem 30. April 2026 ist das Infoportal Rechtsextremismusprävention des Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) mit aktualisierten Einträgen und neuem Design wieder erreichbar. Es bietet umfassende Hilfe bei der Suche nach allen professionellen Anlaufstellen der Rechtsextremismusprävention in ganz Deutschland. Egal, ob Sie Unterstützung bei rechtsextremen Vorfällen suchen, den Ausstieg aus der Szene begleiten möchten, Beratung zu lokalen Ereignissen benötigen oder Workshops, Aufklärungsmöglichkeiten und Forschungsergebnisse suchen – im Infoportal Rechtsextremismusprävention finden Sie schnell passende, professionelle und lokale Anlaufstellen.
Das Infoportal Rechtsextremismusprävention zeigt kompakt und übersichtlich die Bandbreite und Professionalität der aktuellen Rechtsextremismusprävention in Deutschland. Von Beratungs- und Meldestellen über Bildungseinrichtungen bis hin zu Forschungsinstitutionen zeigt das Infoportal Rechtsextremismusprävention, wie wichtig diese Institutionen in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus sind.
Ein rechter, rassistischer oder antisemitischer Angriff kann das Leben von Betroffenen schlagartig verändern. Der neue Ratgeber des VBRG (Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) bietet konkrete Unterstützung für Betroffene, Angehörige und Zeug*innen. Die Publikation richtet sich an alle, die einen solchen Angriff erlebt oder beobachtet haben, ebenso an Freund*innen, Familie und Menschen aus dem sozialen Umfeld. Sie bietet verständliche, praxisnahe Orientierung für eine Situation, in der vieles überfordernd wirkt.
Die Publikation hilft dabei, die Situation einzuordnen, wichtige Schritte nach einem Angriff zu erkennen und eigene Rechte gegenüber Polizei und Behörden wahrzunehmen. Sie informiert über rechtliche Möglichkeiten, psychosoziale Unterstützung sowie Wege zur Stabilisierung in einer belastenden Situation. Auch das Umfeld erhält wertvolle Hinweise, wie Betroffene sinnvoll begleitet werden können und wo es selbst Unterstützung findet. Der Ratgeber ist praxisnah, verständlich und enthält hilfreiche Materialien wie Leitfragen, Mustervorlagen und Kontaktadressen.
Ausgaben des Ratgebers können auch kostenlos bestellt werden: info@verband-brg.de
Antiziganismus wirkt als struktureller Rassismus bis in die Gegenwart. Die aktuelle Ausgabe zum Thema "Antiziganismus/Rassismus gegen Sinti* und Roma*" aus der Reihe "Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit" zeichnet historische Linien seit dem NS-Völkermord nach und zeigt, wie Diskriminierung von Sinti* und Roma* in Bildung, Verwaltung und öffentlicher Debatte fortbesteht.
Die Autor*innen analysieren Mechanismen der Ausgrenzung, beleuchten Kontinuitäten nach 1945 und verbinden wissenschaftliche Perspektiven mit Erfahrungen aus der Praxis. Im Zentrum steht die Frage, wie tief verankerte Zuschreibungen, institutionelle Routinen und gesellschaftliche Deutungsmuster systematische Benachteiligung stabilisieren.
Die Zeitschrift Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit bietet eine Plattform für den gegenseitigen Austausch guter Ansätze aus Wissenschaft und Praxis gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus, Rechtsextremismus, gewaltorientierten Islamismus und andere Abwertungs- und Ausgrenzungsphänomene. Es geht um erfolgreiche Modellprojekten, innovative Konzepten sowie um neue Erkenntnissen aus der Wissenschaft und Erfahrungen aus der Praxis.
Die Publikation ist im Wochenschau Verlag erschienen.
Die knapp 30-seitige Handreichung „Umgang mit rechten Anfeindungen gegen die Wissenschaft“ des GERDEA-Forschungsverbund in Kooperation mit dem Bundesverband Mobile Beratung richtet sich an Hochschulen und Forschende, die von rechten bzw. rechtsextremen Angriffen betroffen sein können/könnten. Die Handreichung beschreibt rechte Anfeindungen nicht nur als „Störgeräusche“, sondern Angriffe auf die demokratische Funktion von Wissenschaft. Sie zielen darauf, Handlungs- und Diskursräume an Hochschulen zu verengen. Darum stellt die Leitlinie nicht nur das individuelle „Durchhalten“ in den Vordergrund, sondern vor allem die institutionelle Verantwortung.
Sie ist als praxisorientierter Leitfaden angelegt, zeigt Einblick in die aktuelle Beratungspraxis von Hochschulen und verfolgt einen konkreten 10-Punkte-Plan. Dieser Plan besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil steht ganz im Sinne der Prävention und der zweite Teil zeigt, was unternommen werden kann, wenn man betroffen ist. Insgesamt warnt die Handreichung davor, Nichtstun mit Neutralität zu begründen. Hochschulen sollen rechtsextreme Angriffe nicht aussitzen, sondern Wissenschaftsfreiheit aktiv schützen, mit klaren Zuständigkeiten, abgestimmter Kommunikation und Rückendeckung für Betroffene.
In dem Beitrag "Rassismus und seine Auswirkungen auf das gute Leben und die Gesundheit" im "Handbuch Medizin und Lebenszeit" wird das Konzept vom guten Leben vor dem Hintergrund durch Rassismus hervorgebrachter Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung diskutiert. Es wird gezeigt, wie Rassismus – als Ausdruck gesellschaftlicher Dominanzverhältnisse – erhebliche gesundheitliche Ungleichheiten hervorbringt, einen negativen Effekt auf Gesundheit hat und sich auf die (Re-)Produktion von Zugangsbarrieren zur als auch auf die Qualität der Gesundheitsversorgung auswirkt.
Das übergeordnete Ziel des Beitrags ist es, eine reflexive Diskussion darüber anzuregen, wie der gleichberechtigte Zugang zu Ressourcen und Chancen – als grundlegende Voraussetzung für ein gutes Leben − in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen und für alle Menschen ermöglicht werden kann.
Analysen zu Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus und Rassismus
In der Zeitschrift psychosozial ist das aktuelle Heft (49. Jg., Nr. 183, 2026, Heft I) mit dem Schwerpunktthema Rassismus erschienen. Rassismus in verschiedensten Formen gehört seit Jahrhunderten, vielleicht auch seit Jahrtausenden, zu den wirkmächtigsten sozialen Inklusions- und Exklusionsstrategien menschlicher Gesellschaften. Die Autor:innen dieses Hefts illustrieren und bestätigen anhand verschiedener Thematiken und aus unterschiedlichen Perspektiven, dass Rassismus keinesfalls ein historisches Relikt ist, sondern eine widerspenstige und weltweit lebendige Sozialstruktur, die auch unsere modernen Gesellschaften nach wie vor durchzieht. Rassismus ist eine relationale soziale Ordnung, die sich in verschiedenen Formen – etwa antimuslimisch, antisemitisch oder kulturalistisch – manifestiert und dabei stets in spezifische Macht-, Deutungs- und Wissensverhältnisse mitsamt der darin angelegten Verletzungspotenziale eingebettet ist. In ihrer Zusammenschau verdeutlichen die Heftbeiträge, dass eine wirksame Auseinandersetzung mit Rassismus weder bei begrifflichen Tabus noch bei isolierten Einzelanalysen stehen bleiben kann. Erforderlich ist vielmehr eine reflektierte, relationale Perspektive, die historische Kontinuitäten, aktuelle Konfliktlagen und praktische Interventionsmöglichkeiten zusammendenkt. Zur Leseprobe
Bereits Ende 2025 ist eine Ausgabe zum Schwerpunktthema „Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus – inter- und transdisziplinäre Analysen“ (48. Jg. (2025) Heft III, Nr. 181) erschienen. Das Schwerpunktheft leistet einen Beitrag zur inter- und transdisziplinären Analyse von Rechtsextremismus und -terrorismus. Die Ausgabe verbindet begriffstheoretische Reflexionen mit historischen Analysen, sozialpsychologischen Fallstudien, geschlechtsspezifischen Perspektiven sowie Untersuchungen zu Herausforderungen in Prävention und Intervention. Ein besonderer Fokus liegt auf bislang marginalisierten Zugängen, insbesondere der Opfer- und Betroffenenperspektive. Mit Beiträgen zur historischen Tiefenstruktur ideologischer Narrative, zu (psycho)sozialen Folgen rechtsterroristischer Anschläge und zur transnationalen Dimension extrem rechter Bewegungen plädiert das Heft für eine umfassende Betrachtung rechtsextremer Phänomene, jenseits verkürzter Deutungsangebote und isolierter Fachlogiken. Zur Leseprobe
Die Zeitschrift psychosozial beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und kulturellen Erfahrungen und deren Zusammenhang mit psychischen Entwicklungen und Dynamiken. Sie fördert den Dialog zwischen den Sozialwissenschaften, den Kulturwissenschaften, der Psychologie und der Psychoanalyse.
Broschüre zu Radikalisierungstendenzen: Ich hab’ da ein komisches Bauchgefühl...
Die Broschüre „Ich hab‘ da ein komisches Bauchgefühl…“ unterstützt Fachkräfte dabei, mögliche Radikalisierungstendenzen frühzeitig wahrzunehmen und verantwortungsvoll zu handeln – aufmerksam, aber ohne vorschnell abzustempeln. Sie versteht sich als eine Art „Erste Hilfe“, die Raum für Reflexion bietet und Orientierung im Umgang mit Unsicherheiten schafft.
Die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) veröffentlicht mit der Broschüre „Beratung ohne Antisemitismus“ eine wichtige Handreichung für Fachkräfte in unterschiedlichen Beratungsfeldern.
Antisemitismus ist ein weit verbreitetes gesellschaftliches Problem, das jüdische Menschen in ihrem Sicherheitsgefühl massiv beeinträchtigt. Beratungsstellen tragen daher eine besondere Verantwortung, Antisemitismus als eigenständige Form von Diskriminierung zu erkennen und ernst zu nehmen. Antisemitismussensible Beratung bedeutet, jüdische Perspektiven und Erfahrungen anzuerkennen, sie nicht zu relativieren und auch dort aufmerksam zu sein, wo Antisemitismus im Hintergrund wirkt.
Die Broschüre unterstützt Fachkräfte verschiedener Beratungsfelder dabei, Wissen über antisemitische Erscheinungsformen zu vertiefen, jüdische Lebensrealitäten mitzudenken und Beratungsangebote sicherer, sensibler und solidarischer zu gestalten.
Antifeministische Angriffe gehören für viele kommunale Gleichstellungsbeauftragte inzwischen zum Berufsalltag. Eine neue Handreichung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen "Gegenwind oder doch schon ein Sturm? – Antifeminismus in der Gleichstellungsarbeit" greift diese Entwicklung auf und bietet praxisnahe Unterstützung, um solche Angriffe zu erkennen, einzuordnen und professionell damit umzugehen.
Die Publikation basiert auf einer bundesweiten Befragung von 351 Gleichstellungsbeauftragten, vertiefenden Interviews und weiteren Datenauswertungen. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Ausmaß: 63 Prozent der Befragten berichten von konkreten Angriffen, 95 Prozent sehen ihre Arbeit durch antidemokratische Entwicklungen bedroht. Für das Jahr 2024 wurden bundesweit 558 antifeministische Vorfälle dokumentiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Angriffe reichen von abwertenden Kommentaren über Einschüchterungsversuche bis hin zu massiven Bedrohungen und betreffen sowohl den analogen als auch den digitalen Raum.
Die Handreichung macht zudem deutlich, dass antifeministische Angriffe oft subtil auftreten und dadurch schwerer zu benennen sind, ihre Auswirkungen jedoch erheblich sind – etwa auf die persönliche Sicherheit, Arbeitsbedingungen und die Umsetzung von Projekten. Gleichstellungsarbeit wird als zentraler Bestandteil demokratischer Infrastruktur eingeordnet. Angriffe auf Gleichstellung werden als Teil größerer antidemokratischer Entwicklungen verstanden, während stabile Gleichstellungsstrukturen zur Stärkung demokratischer Kultur beitragen können.
Neben der Einordnung des Phänomens bietet die Broschüre konkrete Hilfestellungen: Sie beschreibt typische Erscheinungsformen antifeministischer Angriffe und stellt praxisorientierte Strategien, Best-Practice-Beispiele sowie Handlungsmöglichkeiten für den beruflichen Alltag bereit – etwa für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit oder bei der Entwicklung von Schutzkonzepten.
Die Handreichung wurde in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung entwickelt und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Es wurde zur Handreichung ergänzend ein Executive Summary erstellt. Der WDR berichtete: WDR 5 Morgenecho - Interview
Wie Menschen in Nordrhein-Westfalen lernen, nachhaltiger zu handeln, hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert – u.a. in Kitas, Schulen und vielen außerschulischen Lernorten. Zum zehnjährigen Bestehen der Landesstrategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) veranstaltete das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW (MUNV NRW) am 17. April 2026 einen Fachtag unter dem Titel „Von der Strategie zur Wirkung – 10 Jahre BNE in NRW“.
Rund 140 Teilnehmende aus verschiedenen Ressorts sowie aus der BNE-Fachcommunity in Nordrhein-Westfalen nahmen daran teil. Minister Oliver Krischer diskutierte in einer Podiumsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Bildungsbereiche über die Frage „Gibt es das auch unpolitisch? BNE zwischen Ansprüchen, Vorwürfen und didaktischen Geboten“. Hintergrund waren aktuelle Debatten zum Neutralitätsgebot in der BNE und der politischen Bildung.
Dabei bestand Konsens, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung eine politische Dimension hat, die darin besteht, Menschen zu befähigen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstbestimmt in die Gesellschaft einzubringen. Das MUNV unterstützt die BNE-Akteurinnen und -Akteure in NRW gezielt dabei, diese politische Dimension stärker herauszuarbeiten. Ebenso herrschte Einigkeit darüber, dass BNE zur Stärkung der individuellen und gesellschaftlichen Resilienz gegenüber Populismus und Spaltung beiträgt. Besonderen Anklang fand der Bericht einer Bildungspraktikerin über ihre Ausbildung zur Demokratie-Fitness-Trainerin. Zugleich wurde betont, dass eine zentrale Herausforderung darin besteht, Bildungsarbeit nicht mit überhöhten Erwartungen zu überfrachten und die Verantwortung für die Stärkung der Demokratie nicht allein der Bildungsarbeit zuzuschreiben.
Das Buch schildert, wie Sarah Levy durch politische Spannungen und den Krieg ab dem 7. Oktober 2023 in eine tiefe persönliche und gesellschaftliche Krise gerät. Die Spaltung Israels, zunehmende Radikalisierung und Gewalterfahrungen erschüttern ihr Leben als Mutter in Tel Aviv. Nach der Flucht nach Frankfurt erkennt sie, dass auch Deutschland für sie kein echtes Zuhause mehr ist. Zurück in Israel erlebt sie ein Land im Ausnahmezustand, geprägt von Angst, Hass und Verlust. Sie ringt mit ihrer Identität und der Frage nach der Zukunft ihres Sohnes, während sie beschreibt, wie Radikalisierung und Polarisierung nicht nur die Gesellschaft, sondern auch sie selbst verändert.
Sarah Levy schreibt als freie Journalistin u.a. für DIE ZEIT. Seit 2018 koordiniert sie das Projekt stopantisemitismus.de, das über Antisemitismus im Alltag aufklärt und Hilfestellung bietet. Die Moderation übernimmt die Lehrerin Nicole Schweiß. In ihrem Podcast „Kleine Pause – Begegnungen in der Teeküche“ wirft sie einen diversitätssensiblen und diskriminierungskritischen Blick auf das deutsche Schulsystem.
Der Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) bietet von April bis Juli 2026 eine modulare Fortbildungsreihe an. Damit reagierte KompRex auf Bedarfe für eine niedrigschwellige Fortbildung und Qualifizierung zum Thema Rechtsextremismusprävention. Sie richtet sich in erster Linie an Personen aus Regelstrukturen, also z.B. Gleichstellungsbeauftragte, Mitarbeitende von großen Sozialverbänden oder der Freiwilligen Feuerwehr, Fachkräfte aus der Rechtsextremismusprävention, Personen die in Projekten, die von „Demokratie Leben!“ gefördert werden, selber aktiv sind und die vielen Aktive der Zivilgesellschaft.
In zwei einführenden Workshops soll Grundlagenwissen über Erscheinungsformen des Rechtsextremismus vermittelt werden. In den darauffolgenden Vertiefungsworkshops führen die Träger des KompRex in die Herausforderungen mit Rechtsextremismus in ihren jeweiligen Feldern ein.
Die Workshops finden jeweils von 9-13 Uhr online statt. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.
Gedenken an die Opfer des Brandanschlags von Solingen (1993)
Der Verein Mevlüde Genç e. V. lädt anlässlich des 33. Jahrestages des Brandanschlags von Solingen zum öffentlichen Gedenken an die fünf Todesopfer ein: Gürsün İnce, Hatice Genç, Gülistan Öztürk, Hülya Genç und Saime Genç. Mevlüde Genç, die an jenem Tag fünf ihrer engsten Angehörigen verlor, entschied sich trotz unermesslichen Schmerzes für den Weg der Versöhnung und des Friedens. Ihre Botschaft, dass Hass niemals mit Hass beantwortet werden darf, ist heute aktueller denn je.
Die Gedenkveranstaltung findet am Freitag, 29. Mai 2026 von 17 bis 19 Uhr in der Unteren Wernerstraße, vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Genç in Solingen statt. Die diesjährige „Mevlüde-Genç-Rede“ hält Ministerin Verena Schäffer. Zudem sprechen der Oberbürgermeisters der Stadt Solingen, Daniel Flemm, und der Generalkonsul der Republik Türkiye, Ali İhsan İzbul, Grußworte. Eingerahmt wird das Gedenken von einem literarischen Beitrag, einem gemeinsamen Gebet sowie einem anschließenden Austausch. Eine Anmeldung wird aus organisatorischen Gründen erbeten.
Am 16. Juni 2026 findet am Geschwister-Scholl-Gymnasium Aachen der Bildungstag 2026 unter dem Motto „Mach mit – Demokratie beginnt bei dir!“ statt. Ziel ist es, Fachkräfte und Akteurinnen entlang der Bildungskette für Demokratie, Beteiligung und Medienbildung zu sensibilisieren und praxisnahe Impulse für demokratische Bildungsarbeit zu vermitteln. Der Bildungstag wird als Demokratiekonferenz von Partnerschaften für Demokratie StädteRegion Aachen veranstaltet.
Nach Ankommen, Begrüßung und einem Impulsvortrag zur Situations- und Ressourcenanalyse über die StädteRegion Aachen von Prof. Dr. Beate Küpper folgen Dialogformate mit Michel Abdollahi, Hans-Peter Dürhager, Leonard Birnbacher, Antje Würsig und einer Schüler*innenperspektive. In anschließenden Themenräumen und Workshops zu Mitbestimmung, Medien, Partizipation und gemeinsamer Demokratieerfahrung werden konkrete Ansätze für Kita, Schule, OGS und weitere Bildungsbereiche erarbeitet.
Am 16. Juni 2026 um 19:30 Uhr findet der Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide „Ohne Judentum kein Islam: Die verleugnete Quelle“ statt. Die Veranstaltung wird von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. in Kooperation mit dem Theologischen Ausschuss angeboten. Veranstaltungsort ist das Domforum Köln (Domkloster 3 / Domplatte). Der Eintritt kostet 5,-€.
Spätestens mit dem 7. Oktober wurde deutlich, wie verbreitet der Antisemitismus unter Muslimen weltweit, aber auch in Deutschland ist. Der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide geht in seinem neuen Buch u.a. den Fragen nach, warum der Antisemitismus unter Muslimen so viel Anklang findet, welche koranischen und theologischen Quellen als Grundlage des muslimischen Antisemitismus dienen, welche Allianzen ein radikalisierter islamischer Antisemitismus eingeht. Doch Khorchide bleibt nicht bei dieser Bestandsaufnahme stehen. Er versteht das Judentum als Grundlage des Islams und legt dar, wie das Judentum von Beginn an dem Propheten Mohammed als Grundlage und Legitimation für seine Verkündigung diente.
Mouhanad Khorchide ist Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie. Er hat zudem als Imam und Religionslehrer gearbeitet.
Digitaler Fachtag zu Rassismus und Rechtsextremismus in der Schule
Extrem rechte, rassistische und andere menschenfeindliche Positionen zeigen sich zunehmend im schulischen Alltag in Aussagen, Symbolen, digitalen Räumen und sozialen Dynamiken. Pädagogische Fachkräfte stehen vor der Herausforderung, klar, professionell und menschenrechtsorientiert zu handeln. Im Fokus steht der Umgang mit extrem rechten, rassistischen und anderen menschenfeindlichen Positionen im schulischen Alltag. Der Fachtag bietet Raum für fachlichen Austausch, Reflexion und konkrete Handlungsperspektiven. Ergänzend wird das Thema Einsamkeit unter Jugendlichen und dessen mögliche Bedeutung für demokratische Haltungen aufgegriffen. Das Programm umfasst eine Keynote von Melanie Weiser zu Einsamkeit und antidemokratischen Einstellungen bei Jugendlichen sowie praxisorientierte Workshops, unter anderem zu rechten Inhalten in Klassenchats, Hinwendungsprozessen zu extrem rechten Ideologien, der Unterstützung Betroffener rechter Gewalt, Antifeminismus und türkischem Rechtsextremismus im schulischen Kontext. Zudem werden Beratungs- und Unterstützungsangebote vorgestellt.
Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr mit einem offenen Ankommen, die Workshops finden ab 12:45 Uhr parallel statt und enden um 15:45 Uhr. Eine Anmeldung ist bis zum 26. Juni 2026 per E-Mail an nina.nrw@reinit.de erforderlich. Anzugeben sind Name, Institution sowie zwei Workshoppräferenzen.