Rassismus ist gesellschaftliche Realität und wird als solche in Politik, Gesellschaft und öffentlichen Diskursen zunehmend benannt, anerkannt und mit Gegenmaßnahmen adressiert. Eine einheitliche Begriffsbestimmung gibt es in der gegenwärtigen Rassismus- und rassismuskritischen Forschung bislang nicht. Konsens ist aber, dass Rassismus als genuin modernes Phänomen verstanden wird, das im Kontext des europäischen Kolonialismus entstanden und historisch wandlungsfähig ist.
Rassismus entfaltet und reproduziert sich in unterschiedlichen Formen und auf sämtlichen Ebenen aller gesellschaftlichen Bereiche. Er kann jeweils sowohl Ergebnis absichtsvoller, expliziter als auch unbeabsichtigter, impliziter und wohlmeinender Praxen und Handlungen sein.
Auf der individuellen Ebene drückt sich Rassismus bspw. in Mimik, Gestik, konkreten Sprechakten oder persönlichen Haltungen bis hin zu psychischer und physischer Gewalt aus. Struktureller Rassismus bezeichnet den alltäglichen, kulturell tief verankerten systematischen Ausschluss von rassistisch diskreditierbaren Menschen wie von sozialer, gesundheitlicher, wirtschaftlicher oder politischer Teilhabe. So sind Zugänge, Ressourcen und Privilegien etwa im Bildungssystem, am Arbeits- oder Wohnungsmarkt ungleich verteilt.
Der Begriff des Institutionellen Rassismus hebt ab auf Strukturen und Arbeitskulturen in Organisationen wie in der öffentlichen Verwaltung. Es geht darum, wie im Kontext alltäglicher organisationaler Handlungsroutinen und -maximen die Ungleichbehandlung von Menschen erzeugt wird. Die Benachteiligung resultiert - weitgehend unabhängig von handelnden Menschen - aus eingespielten Praktiken wie formellen und informellen Gesetzen, Vorschriften, Regeln, Normen und Verfahren. Institutioneller Rassismus führt also direkt oder indirekt dazu, dass der Zugang zu Ressourcen, Teilhabe und Anerkennung trotz des Gleichheitsgrundsatzes für einige Menschen eingeschränkt sind, während andere privilegiert werden.
Arbeitsdefinition "Rassismus" für Verwaltungshandeln
Der durch die Antirassismusbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, einberufene „Expert*innenrat Antirassismus“ hat im März 2025 eine „Arbeitsdefinition Rassismus“ formuliert. Sie ist verknüpft mit expliziten Empfehlungen für öffentliche Verwaltung auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen, die für den Abbau von Rassismus handlungsleitend sein können.
Rassismus ist ein gesellschaftliches Machtverhältnis, das unser Zusammenleben strukturiert und damit die Gesellschaft – gleichwohl in höchst unterschiedlicher Weise – als Ganzes betrifft. In Anlehnung an den britischen Rassismusforscher Stuart Hall bestimmt die Rassismusforscherin Birgit Rommelspacher (2009) Rassismus als Praxis zur Markierung von Unterschieden zwischen „Wir“ und „den Anderen“ oder „Dazugehörigen“ und „Nicht-Dazugehörigen“. Dabei werden Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale als homogene Gruppen konstruiert, hierarchisierend bewertet und ausgegrenzt (IDA e.V. 2025).
Unterscheiden lassen sich verschiedene Rassismen: Beispiele sind Anti-Schwarzer Rassismus, antimuslimischer Rassismus, Rassismus gegen Sinti*zze und Rom*nja, antiasiatischer oder antislawischer Rassismus. Rassismus kann intersektional wirken – also in Verschränkung mit weiteren Formen von Diskriminierung wie Sexismus, Ableismus oder Klassismus.
Rassismuskritische Praxis & strukturelle Lösungen
Der Abbau von Rassismus ist also nur innerhalb von bestehenden Verhältnissen möglich. Es erfordert, rassistische Strukturen zu erkennen, Machtverhältnisse und eigene Handlungen kontinuierlich zu reflektieren und zu kritisieren, Widersprüchlichkeiten – etwa selbst Teil der kritisierten Verhältnisse zu sein – auszuhalten, Wissen anzueignen und Veränderungen anzustoßen. Dazu gehört auch, rassistische Denk- und Handlungsmuster als postkoloniale Kontinuitäten bis in die Gegenwart zu verstehen. Für nachhaltige Lösungen hin zu einer gerechteren Gesellschaft braucht es prozessorientierte Maßnahmen auf struktureller Ebene.
Geförderte Projekte
Das Demokratiezentrum fördert aktuell zwei Projekte im Themenfeld „Rassismus(-kritik)“:
Re_Struct: Rassismuskritische und migrationspolitische Öffnung in Kommunen und Organisationen
In Trägerschaft von IDA e. V. - gefördert bis 2025
Ziel des Projektes ist es, Kommunen, Institutionen und Vereine durch individuell zugeschnittene Bildungsarbeit, Beratung und Prozessbegleitung in ihrer rassismuskritischen und intersektionalen Praxisentwicklung zu unterstützen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf intersektionaler Rassismuskritik durch Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften und Multiplikator*innen. 2025 liegt ein besonderer Fokus auf dem Bereich Rassismus und Gesundheit.
['mo:le] »Modellprojekt Lehrkonzept: Rechtsextremismusprävention, Rassismuskritik und Antisemitismuskritik in der Hochschulausbildung«
In Trägerschaft der Hochschule Düsseldorf - gefördert bis 2027
Im Anschluss an die erste Projektphase (2022-2024) ist Ziel der zweiten Projektphase (2025-2027), die Entwicklung und Erprobung eines strukturierten Lehrkonzepts/Lehrangebots für die Hochschulausbildung der Sozialarbeit/Sozialpädagogik in den Themenfeldern Rechtsextremismusprävention, Rassismus- und Antisemitismuskritik fortzusetzen sowie in den Regelstrukturen des Studiengangs an der Hochschule Düsseldorf zu verankern.
