Der Meldestellenverbund Nordrhein-Westfalen hat seinen ersten gemeinsamen Jahresbericht veröffentlicht. Unter dem Titel „Rassismus & Queerfeindlichkeit intersektional“ dokumentiert der Bericht die im Jahr 2025 eingegangenen Meldungen zu rassistischen und queerfeindlichen Vorfällen und gibt Einblicke in Formen, Orte und Auswirkungen von Diskriminierung in NRW.
Im Jahr 2025 gingen bei den vier spezialisierten Melde- und Informationsstellen insgesamt 871 Meldungen ein. Davon wurden 697 Fälle als Vorfälle klassifiziert, 63 als Hass- und Angriffsmeldungen eingeordnet. In 67 Fällen reichte die Datenlage für keine abschließende Bewertung aus, 44 Meldungen erwiesen sich als Falschmeldungen. Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist, dass ein erheblicher Teil der dokumentierten Fälle ausschließlich über die Melde- und Informationsstellen bekannt wird. Diese Vorfälle finden sich also nicht in anderen Statistiken, etwa der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität.
Die Auswertung zeigt, dass Diskriminierung häufig mehrere Merkmale gleichzeitig betrifft. Bei rund einem Drittel der gemeldeten Fälle handelt es sich um mehrdimensionale Diskriminierungen, besonders häufig in Verbindung mit Sexismus und Frauenfeindlichkeit. Überproportional betroffen sind Menschen mit weiblicher, trans* oder nichtbinärer geschlechtlicher Identität. Die meisten dokumentierten Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Raum, am Arbeitsplatz, im Bildungsbereich, in Behörden und im digitalen Raum. Zu den häufigsten Formen zählen Belästigungen, Mikroaggressionen, das Verwehren von Rechten, Schikanen sowie Gewalt. Viele Betroffene berichten insbesondere von psychischen Folgen.
Der Meldestellenverbund NRW umfasst vier spezialisierte Einrichtungen: die Melde- und Dokumentationsstelle antimuslimischer Rassismus (MEDAR NRW), die Melde- und Informationsstelle für anti-Schwarzen, antiasiatischen und weitere Formen von Rassismus (MIRa-NRW), die Dokumentations- und Informationsstelle Antiziganismus/Antiromaismus NRW (DINA NRW) sowie die Melde- und Informationsstelle für Queerfeindlichkeit NRW (MIQ NRW).
Die phänomenspezifische Auswertung zeigt unterschiedliche Schwerpunkte: Bei antimuslimischem Rassismus beziehen sich 78 Prozent der Vorfälle auf das äußere Erscheinungsbild. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die ein Kopftuch tragen. Im Bereich anti-Schwarzen und antiasiatischen Rassismus spielen insbesondere Hautfarbe und Name eine Rolle. Beim Antiziganismus/Antiromaismus berichten Betroffene häufig von offener rassistischer Abwertung und Belästigungen. In nahezu allen gemeldeten Fällen von Belästigung wurde dabei das Z-Wort verwendet. Bei queerfeindlichen Vorfällen richten sich die Angriffe besonders häufig gegen sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität und Geschlechtsausdruck. Knapp die Hälfte der betroffenen Personen sind trans* oder nichtbinär. Am häufigsten wurden Schwulen- und Trans*feindlichkeit dokumentiert.
Der Bericht versteht sich als Grundlage für eine langfristige, systematische Erfassung von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, die Sichtbarkeit Betroffener zu erhöhen, Unterstützungsstrukturen auszubauen und politische Maßnahmen auf Grundlage belastbarer Daten weiterzuentwickeln. Die vier Meldestellen wurden nach einem Projektaufruf des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen aufgebaut. Seit März 2025 können Betroffene, Zeug*innen und Institutionen rassistische und queerfeindliche Vorfälle anonym über Online-Formulare melden.