1. Was bedeutet BEQUAS und was macht das Projekt?
BEQUAS steht für Beratung und Qualifizierung zu antisemitismuskritischer Strukturentwicklung in kommunalen Einrichtungen. Das Projekt unterstützt Institutionen, die sich mit konkreten Fragestellungen rund um Antisemitismus auseinandersetzen möchten, und bietet fachliche sowie lösungsorientierte Beratung an. Diese kann sowohl die Einschätzung und Bewertung einzelner Vorfälle als auch eine angemessene Ansprache und Bearbeitung des Themas umfassen. Die Beratung erfolgt dabei je nach Bedarf präventiv oder reaktiv. Ein weiterer Schwerpunkt von BEQUAS liegt in der Entwicklung zielgruppengerechter Fort- Bildungsformate. Sie vermitteln Wissen über Antisemitismus, seine historischen Wurzeln sowie seine aktuellen Erscheinungsformen und gesellschaftlichen Bedingungen. Dadurch sollen kommunale Einrichtungen und Institutionen für antisemitische Denk- und Handlungsmuster sensibilisiert werden.
In längerfristigen Beratungsprozessen begleitet BEQUAS Institutionen dabei, eigene Konzepte zur Bearbeitung von Antisemitismus zu entwickeln und passende Strukturen zu etablieren, die den jeweiligen Arbeitsbereichen und Herausforderungen gerecht werden. Auf diese Weise sollen kommunale Einrichtungen in die Lage versetzt werden, Antisemitismus präventiv entgegenzuwirken, Vorfälle frühzeitig zu erkennen und über geeignete Instrumente für deren Bearbeitung zu verfügen.
2. Welche Bedeutung hat die Anbindung an die Jüdische Gemeinde und der Standort Dortmund für euch?
Da das Projekt BEQUAS an die Beratungsstelle ADIRA (Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus) angebunden ist, die sich in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Dortmund befindet, besteht ein enger und kontinuierlicher Austausch mit der Gemeinde. Sie fungiert als wichtige Schnittstelle zur jüdischen Zivilbevölkerung in Dortmund, was für die Arbeit von BEQUAS von zentraler Bedeutung ist. Auf diese Weise können Erfahrungen, Perspektiven und Einschätzungen aus der jüdischen Zivilgesellschaft direkt in die Projektarbeit einfließen und dort vertreten werden.
Auch der Standort Dortmund selbst bietet günstige Voraussetzungen für die Arbeit von BEQUAS. In der Stadt bestehen bereits vielfältige und gut ausgebaute Strukturen zur Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus, an die das Projekt anknüpfen kann. Zudem hat die Stadt Dortmund die Grundsatzerklärung zur Bekämpfung von Antisemitismus unterzeichnet. Diese Rahmenbedingungen stärken die Wirksamkeit des Projekts und ermöglichen eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen.
3. Auf welche Herausforderungen seid ihr in den ersten Monaten gestoßen?
In den ersten Monaten des Projekts zeigte sich, dass BEQUAS in Nordrhein-Westfalen Neuland betritt: Vergleichbare Angebote im Bereich antisemitismuskritischer Organisationsberatung existieren bislang nicht. Dies führte zunächst zu verschiedenen Herausforderungen, wie etwa bei der Entwicklung passender Vorgehensweisen, dem Aufbau geeigneter Netzwerkstrukturen oder der Konzeption von Qualifizierungsangeboten. Erschwerend kommt hinzu, dass es bisher keine Schulungsformate gibt, die speziell auf antisemitismuskritische Organisationsentwicklung zugeschnitten sind.
Gleichzeitig bieten gerade diese Herausforderungen auch wichtige Chancen: Das Projekt kann eigene methodische Ansätze entwickeln, flexibel auf Bedarfe reagieren und gemeinsam mit den beteiligten Institutionen Strukturen schaffen, die genau auf deren Anforderungen abgestimmt sind. So entsteht die Möglichkeit, ein modellhaftes Angebot für NRW aufzubauen, das langfristig Orientierung und Impulse für weitere Einrichtungen geben kann.
Weitere Informationen finden Sie im Informationsflyer
