viele Beiträge dieser Ausgabe beschäftigen sich mit der Frage, wie gesellschaftliche Konflikte sichtbar werden – und wie Institutionen darauf reagieren. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur einzelne Vorfälle, sondern auch die Strukturen, in denen politische Bildung, Prävention und demokratische Öffentlichkeit derzeit stattfinden.
Das zeigt sich besonders im Themenfeld Antisemitismus. Die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle an Hochschulen in NRW, der bevorstehende Jahresbericht von RIAS NRW sowie die Untersuchung zur Verankerung von Rechtsextremismusprävention und Rassismus- und Antisemitismuskritik in pädagogischen Studiengängen machen deutlich: Hochschulen und Bildungseinrichtungen geraten zunehmend als Orte gesellschaftlicher Konflikte und ihrer Bearbeitung in den Fokus.
Mehrere Beiträge richten den Blick zudem auf digitale Öffentlichkeiten. Die Analysen zu antisemitischen Codes auf TikTok und zu transnational vernetzten rechtsextremen Online-Milieus nach dem Anschlag von San Diego zeigen, wie extremistische Inhalte heute über Plattformen, Memes und digitale Subkulturen verbreitet werden. Auch Veranstaltungen wie das Festival „LAUT UND KLAR“ greifen diese Entwicklung auf. Dahinter steht die Frage, wie demokratische Debatten und gesellschaftliche Verantwortung unter Bedingungen digitaler Beschleunigung organisiert werden können.
Zugleich wird deutlich, dass Demokratieförderung und Präventionsarbeit selbst stärker zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen geworden sind. Darauf verweisen sowohl die Debatte um die Neuausrichtung von „Demokratie leben!“ als auch die internationale Diskussion um sogenannte „Shrinking Spaces“, also enger werdende Handlungsspielräume für Zivilgesellschaft.
Daneben zeigen die Beiträge, wie stark viele Initiativen auf konkrete lokale Räume setzen: Demokratie-Festivals, Kulturtage, Werkstätten und neue Netzwerkformate schaffen Orte für Begegnung, Austausch und Beteiligung. Gerade in einer Zeit zunehmend polarisierter öffentlicher Debatten gewinnen solche Formate sichtbar an Bedeutung.
Herzliche Grüße Das Team des Demokratiezentrums NRW
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Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung NRW nimmt Arbeit auf
Das Kuratorium zur Begleitung der Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen hat am 5. Mai 2026 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengefunden. Im Mittelpunkt standen die Konstituierung des Gremiums sowie der Beschluss der Geschäftsordnung. Vorsitzender des Kuratoriums ist André Kuper, Präsident des Landtags.
Zu den Kuratoriumsmitgliedern gehören neben dem Präsidenten des Landtags sowie seiner Stellvertreterin und seinen Stellvertretern je eine Vertreterin oder ein Vertreter der Fraktionen im Landtag sowie eine gleiche Anzahl an sachverständigen Personen, die jeweils von den Fraktionen vorgeschlagen und im Landtag gewählt wurden. Auch die Landesregierung ist mit einem Regierungsmitglied ebenfalls im Kuratorium vertreten.
Dazu wird aktuell eine erste Online-Befragung von Lehrenden und Studierenden durchgeführt. Ziel ist es, zu erfassen, wie sichtbar und relevant diese Themen im Studium und an den Hochschulen wahrgenommen werden und welche Bedarfe Lehrende und Studierende hinsichtlich entsprechender Qualifizierungsangebote sehen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Empfehlungen für bedarfsgerechte Angebote und Strukturen zu entwickeln.
Die Teilnahme an der etwa fünfminütigen Befragung ist freiwillig und anonym. Es werden vereinzelt personenbezogene Angaben sowie Einschätzungen erhoben. Die Auswertung erfolgt ausschließlich in zusammengefasster Form, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Weitere Informationen zum Datenschutz finden sich direkt im Befragungstool. Bitte unterstützen Sie die Untersuchung durch Ihre Teilnahme.
Die Zahl antisemitischer Vorfälle an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Nach Angaben der Zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in NRW (ZeBA) wurden 2025 insgesamt 85 judenfeindliche Vorfälle dokumentiert. Das entspricht einem Anstieg von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer fast dreieinhalbfachen Zunahme im Vergleich zu 2023, als lediglich 25 Fälle registriert wurden.
Die gemeldeten Vorfälle reichen von verbalen Beleidigungen und Bedrohungen über antisemitische Graffiti bis hin zu massiven Störungen des Hochschulbetriebs. Besonders häufig wurden die Taten dem antiisraelischen Aktivismus zugerechnet, der laut ZeBA 26 Prozent der Fälle ausmacht. Weitere Vorfälle stammen aus dem linken politischen Spektrum sowie aus islamisch beziehungsweise islamistisch geprägten Milieus.
Regional fiel insbesondere der Regierungsbezirk Detmold auf: Dort stieg die Zahl der gemeldeten Fälle innerhalb eines Jahres von vier auf 19. Die Beratungsstelle sieht darin ein Zeichen dafür, dass antisemitische Einstellungen an Hochschulen inzwischen ein dauerhaft hohes Niveau erreicht haben und nicht ausschließlich mit aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt zusammenhängen. Auch nach einer Waffenruhe im Nahen Osten seien antisemitische Vorfälle weiterhin registriert worden.
Die ZeBA wurde im Sommer 2024 vom Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen gegründet. Ziel der Beratungsstelle ist es, Betroffene und Zeugen antisemitischer Diskriminierung besser zu unterstützen sowie Präventions- und Interventionsstrategien für Hochschulen zu entwickeln. Sie arbeitet mit der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW) zusammen. Über das bundesweite Meldeportal können antisemitische Vorfälle dokumentiert und gemeldet werden.
RIAS NRW veröffentlicht Jahresbericht zu antisemitischen Vorfällen 2025
Am 3. Juni veröffentlicht RIAS NRW den Jahresbericht zu antisemitischen Vorfällen 2025. Der Bericht dokumentiert antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen und bietet eine aktuelle Auswertung sowie Einordnungen der Entwicklungen.
Der Kreis Unna lobt erneut den Demokratiepreis aus. Mit dem Preis werden Einzelpersonen, Vereine und Initiativen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender populistischer und demokratiefeindlicher Tendenzen soll der Preis Engagement sichtbar machen und demokratische Werte stärken.
Der Demokratiepreis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert, die von der Jury auf bis zu drei Preisträgerinnen und Preisträger aufgeteilt werden können. Bewerben können sich Initiativen selbst oder von Dritten vorgeschlagen werden. Voraussetzung ist, dass die eingereichten Projekte aktuell umgesetzt werden oder zum Stichtag 1. Januar 2026 nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Zudem muss die Wirkung der Projekte im Kreisgebiet Unna liegen.
Die Bewerbungsfrist endet am 8. Juni 2026. Die Schirmherrschaft übernimmt Landrat Mario Löhr. Organisiert wird der Preis durch das Kommunale Integrationszentrum Kreis Unna.
Zivilgesellschaft auf dem Prüfstand – Der Streit um „Demokratie leben“. So lautet der Titel der Podcast-Folge des SWR Kultur Forum. In der Sendung diskutiert Doris Maull mit Prof. Dr. Sabine Achour (Professorin für Politische Bildung, FU Berlin), Dr. Reinhard Müller (Leitender Redakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Dominik Schumacher (Bundesverband Mobile Beratung) über den Streit um das Bundesprogramm "Demokratie leben!".
Extremismus bekämpfen, Zusammenhalt stärken – das ist das Ziel von „Demokratie leben“, einem Förderprogramm, mit dem der Bund zivilgesellschaftliches Engagement unterstützt. Bundesbildungsministerin Karin Prien will „Demokratie leben“ neu aufstellen: Statt Projekten aus dem „linksliberalen Milieu“ soll das Geld künftig der „Mitte der Gesellschaft“ zugutekommen, so Prien – Vereinen, Feuerwehren, Schulen. Kritiker sprechen von einem Kahlschlag, viele von den durch die Kürzungen betroffenen Organisationen sehen sich in ihrer Existenz bedroht und fürchten, der Kampf gegen den Rechtsextremismus werde geschwächt. Die Reform von „Demokratie leben“ – schadet oder nutzt sie der Demokratie?
Die Zahl queerfeindlicher Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist 2025 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Darüber berichtet der WDR. Insgesamt wurden 284 Delikte registriert, davon 110 mit rechtsextremem Hintergrund. Damit haben sich die Straftaten innerhalb von sieben Jahren nahezu verzehnfacht.
Besonders betroffen sind queere Veranstaltungen wie Christopher-Street-Days (CSD). Vor dem CSD in Euskirchen kam es zu Drohungen aus dem rechtsextremen Umfeld, weshalb die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöhte. Auch in anderen Städten wurden Teilnehmende von rechtsextremen Gruppen eingeschüchtert oder angegriffen. Betroffene berichten zudem von zunehmenden Anfeindungen und Gewalt im Alltag. Viele Vorfälle werden laut dem Queeren Netzwerk NRW jedoch nicht angezeigt. Nur etwa zehn Prozent der Menschen, die sich an die Meldestelle wenden, erstatten Anzeige bei der Polizei.
Politik und Beratungsstellen sehen vor allem eine wachsende Mobilisierung junger Rechtsextremer gegen queere Menschen. Gleichzeitig fordern sie mehr Sensibilisierung bei Behörden und einen besseren Schutz für Betroffene.
Die Initiative „29. Mai 1993 – Brandanschlag Solingen 1993“ hat im Mai 2026 die Broschüre "Der rassistische und extrem rechte Brandanschlag von Solingen 1993" in deutscher und türkischer Sprache herausgegeben. Sie trägt den Untertitel "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" und gewährt Einblicke in die Folgen des Brandanschlags, Erfahrungen sowie Perspektiven der Familie Genç.
Anmeldestart: „LAUT UND KLAR – Das Festival für Demokratie und Zusammenhalt“
Am 2. Juli 2026 lädt die Landesanstalt für Medien NRW zum Tagesfestival „LAUT UND KLAR“ in den Düsseldorfer Medienhafen ein. Die Anmeldung für das Festival ist nun geöffnet. Als Teil der Initiative „Sei laut. Sei klar. Medien in NRW für Demokratie und Zusammenhalt“ bringt die Veranstaltung Medienschaffende, Creatorinnen und Creator sowie engagierte Menschen aus ganz NRW zusammen, die mit ihren Inhalten Haltung zeigen und demokratischen Zusammenhalt stärken möchten.
Im Mittelpunkt des Festivals stehen Workshops, Gespräche und interaktive Formate zu Fragen rund um Medien, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung. Thematisiert werden unter anderem der Umgang mit Desinformation, Polarisierung und sinkendem Vertrauen in öffentliche Debatten. Diskutiert wird beispielsweise, wie Medien Orientierung geben, Dialog fördern und unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen können.
Zu den ersten bestätigten Programmpunkten gehören die „Faktenforum-Werkstatt NRW“ sowie das „Fake-oder-Fakt-Festivalquiz“ von Correctiv mit Caroline Lindekamp und Anna Süß, der Workshop „Zwischen KI & Meinungsmacht – wie Plattformen unsere Öffentlichkeit prägen“ mit Oanh Nguyen von der Landesanstalt für Medien NRW sowie das interaktive Multiplayer-Spiel „MERKMAL: RADIKAL! – Dein Feed, deine Entscheidung“ von Elena und Josefine Wiener vom Studio Zweisiedlerkrebs.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Preisverleihung des Wettbewerbs „Medien in NRW für Demokratie und Zusammenhalt“, bei der Vereine ausgezeichnet werden, die mit innovativen Medienprojekten gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Ergänzt wird das Programm durch Projektpräsentationen, Vernetzungsangebote, ein Speeddating mit Initiativen aus Nordrhein-Westfalen sowie eine Live-Podcast-Aufzeichnung und einen Musik-Act. „LAUT UND KLAR“ versteht sich als offenes, praxisnahes und vielstimmiges Festival für alle, die Medien aktiv gestalten und demokratische Debatten konstruktiv mitprägen wollen.
Im aktuellen Journal für politische Bildung beleuchtet Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe, die weltweite Einschränkung zivilgesellschaftlicher Freiräume. Der Beitrag „Sind Shrinking Spaces der neue globale Standard?“ zeichnet auf Grundlage des Atlas der Zivilgesellschaft 2025 ein alarmierendes Bild: Rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben inzwischen in Staaten, in denen Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit eingeschränkt, unterdrückt oder vollständig geschlossen sind.
Der Beitrag analysiert globale Entwicklungen autoritärer Politik, die Aushöhlung rechtsstaatlicher Strukturen sowie die zunehmende Kriminalisierung zivilgesellschaftlichen Engagements. Thematisiert werden unter anderem repressive NGO-Gesetze, Angriffe auf unabhängige Justizsysteme und die dramatischen Folgen internationaler Finanzierungskrisen für Menschenrechtsarbeit und Entwicklungszusammenarbeit. Zugleich zeigt der Artikel Formen zivilgesellschaftlicher Gegenwehr auf – etwa strategische Prozessführung, internationale Solidarität und politische Advocacyarbeit.
Der Text bietet einen fundierten Überblick über aktuelle globale Trends und deren Auswirkungen auf Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Teilhabe und lädt dazu ein, die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume neu zu diskutieren.
Anschlag von San Diego: Digitale Netzwerke treiben neuen Rechtsterrorismus an
Der Anschlag auf das islamische Zentrum in San Diego zeigt laut dem Belltower News-Artikel „Sons of Tarrant“, wie sich moderner Rechtsterrorismus zunehmend über digitale Netzwerke organisiert und radikalisiert. Zwei junge Männer eröffneten das Feuer auf die Moschee, drei Menschen starben. Die Täter livestreamten die Tat und veröffentlichten ein Manifest mit neonazistischen, antisemitischen und rassistischen Inhalten.
Die Angreifer bezeichneten sich als „Sons of Tarrant“ – eine Anspielung auf den Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant. In ihrem Manifest glorifizierten sie frühere rechtsterroristische Täter und propagierten einen sogenannten „Rassenkrieg“. Ermittler sehen Verbindungen zu rechtsextremen Online-Milieus wie der Atomwaffen Division sowie zu Plattformen wie Telegram und Discord.
Der Artikel beschreibt, wie sich heutiger Rechtsterrorismus über Memes, Livestreams und digitale Subkulturen verbreitet. Gewalt werde dabei gezielt inszeniert, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Nachahmer zu motivieren. Experten warnen vor einer transnationalen Szene, in der Antisemitismus, antimuslimischer Hass, Frauenfeindlichkeit und extremistische Ideologien miteinander verschmelzen.
Das Online-Magazin für digitale Konfliktforschung "Machine Against the Rage" hat sich in aktuellen Ausgabe "From a Trend Down Under - Partizipative Online-Kulturen gegen die da oben" in einem Fokus auch das Thema Antisemitismus auf TikTok aufgegriffen.
Wenn Online-Antisemitismus viral geht, verbreitet er sich häufig über Codes und Emojis. So wird die Leugnung des Holocausts in Zahlen verpackt und die vermeintliche jüdische Weltverschwörung in Memes dargestellt. Was auf den ersten Blick als verstörender Humor daherkommt, weist auf eine tiefgreifende Eigendynamik hin, deren Verständnis Kontextwissen über digitale Kulturen voraussetzt. Der Fokus veranschaulicht, wie sich diese Dynamiken auf TikTok darstellen. Auf der Grundlage von 20.965 TikTok-Beiträgen aus 2025 und 2026 analysieren wir, in welchen relevanten Formen sich Antisemitismus dort artikuliert, über welche Hashtags er verbreitet wird und welche digitalen Trends dabei eine Rolle spielen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Ambivalenz der Kommunikation, da viele Inhalte unterschiedliche Lesarten zulassen und dadurch die Prävention herausfordern.
Anfang Juni, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft der Herren in Mexiko, Kanada und den USA, veröffentlicht Dr. David Johannes Berchem, Projektleiter bei der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW, das Buch „Wenn Fußball ausgrenzt. Diskriminierung wirksam begegnen“. Wir haben mit ihm darüber gesprochen:
Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?
Die Vorgeschichte beginnt im Jahr 2022 mit der Etablierung der in Bochum beheimateten Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW). Hier können über eine Internetplattform Diskriminierungstatbestände anonym gemeldet werden. Bisher liegen der Meldestelle über 3700 Vorfallsmeldungen zu diversen Varianten der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vor. Seit der Etablierung konnten sich die Mitarbeiter*innen einen umfassenden Wissensfundus über Diskriminierungskritik im Fußball aneignen, der in zahlreichen Sensibilisierungs-, Qualifizierungs- und Awarenessformaten mit Akteur*innen aus dem Fußball geteilt wurde. Die Existenz einer solchen Denkfabrik im Fußball, die über wissenschaftliche und praxisbezogene Schlüsselqualifikationen verfügt, wird selbstverständlich auch außerhalb von NRW zur Kenntnis genommen.
Im Mai 2024 erfolgte dann eine Anfrage durch den Kohlhammer Verlag in Stuttgart, der die Inverlagnahme eines Sachbuches vorschlug. Als geeigneter Veröffentlichungstermin wurde recht schnell die Fußballweltmeisterschaft der Herren im Jahr 2026 in den Blick genommen. Die nun vorliegende Publikation verstehen wir bei MeDiF-NRW als einen weiteren Zwischenschritt zur nachhaltigen Professionalisierung unserer Handlungskompetenzen in diesem gesellschaftlich hoch relevanten Feld.
Welche Erkenntnisse finden sich in dem Buch? Was erwartet die Leser*innen?
Definitiv einen analytischen, systematischen und praxisbezogenen Deep Dive in das Thema Diskriminierung im Fußball. Ganz grundsätzlich entfaltet das Buch...
Die ersten Jüdischen Kulturtage Oberhausen 2026 laden vom 5. Juni bis 1. Juli 2026 zu einem vielfältigen Programm aus Musik, Theater, Lesungen, Vorträgen und Exkursionen ein. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, jüdische Kultur und Gegenwart sichtbar zu machen, Begegnungen zu fördern und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.
Zu den Höhepunkten zählen Konzerte der Amsterdam Klezmer Band und der Jewish Monkeys, Lesungen und Gespräche, historische Rundgänge zur jüdischen Geschichte in Oberhausen sowie Besuche jüdischer Gemeinden und Synagogen. Ergänzt wird das Programm durch Theater, Vorträge und offene Begegnungsformate wie „Abrahams Zelt“ oder den öffentlichen Schabbat der liberalen jüdischen Gemeinde „Perusch“.
Die Kulturtage werden vom Arbeitskreis „Antisemitismuskritische Arbeit in Bildung und Kultur“ gemeinsam mit jüdischen Gemeinden organisiert und durch die Stadt Oberhausen gefördert. Weitere Informationen und das vollständige Programm finden sich auf der Seite der Gedenkhalle Oberhausen.
Workshop: Deep Dive – Viraler Antisemitismus auf TikTok
Am 17. Juni 2026 von 11 bis 17 Uhr findet in der Volkshochschule Dortmund (Kampstraße 47, 44137 Dortmund) der Workshop „Deep Dive – Viraler Antisemitismus auf TikTok“ statt. Die Veranstaltung beleuchtet die Verbreitung und Normalisierung antisemitischer Inhalte auf TikTok und verbindet medienpädagogische mit antisemitismuskritischen Perspektiven. Neben einer Einführung in die Plattform und ihre spezifischen Dynamiken werden unterschiedliche Erscheinungsformen von Antisemitismus auf TikTok analysiert sowie praxisnahe Interventions- und Handlungsstrategien vorgestellt. Das kostenfreie Bildungsangebot richtet sich an Fachkräfte der Jugend- und Erwachsenenbildung, Lehrkräfte sowie Multiplikator*innen.
Am Montag, 22. Juni 2026, 10.00 bis 11.30 Uhr, veranstaltet das Forschungsnetzwerk CoreNRW sein Veranstaltungsformat CORE-Werkstatt zum Thema „Linksextremismus im Umbruch“. Die Veranstaltung findet online via Zoom statt. Anmeldungen bitte an doering@core-nrw.de mit Angabe der institutionellen Anbindung.
Die jüngsten Anschläge auf kritische Infrastruktur haben die Gefahren durch linksextremistische Gruppen in das Blickfeld öffentlicher und politischer Debatten gerückt. Auch Beobachtungen im Zuge von Klimaprotesten, von Pro-Palästina-Kundgebungen sowie Aktionen gegen Rüstungssunternehmen im Kontext der Aufrüstung der Bundeswehr haben in den vergangenen Jahren Anlass zur Sorge vor verstärkten Radikalisierungstendenzen, Entgrenzungen und Gewaltbereitschaft linksextremistischer Gruppen gegeben.
Der aktuelle NRW-Verfassungsschutzbericht konstatiert dem Linksextremismus eine zunehmende Aktionsorientierung und ein hohes Mobilisierungspotenzial, insbesondere unter jungen Menschen. Wie auch andere extremistische Szenen hat sich der Linksextremismus im Laufe der Zeit geändert. Er ist heute wandlungsfähiger, ideologisch heterogener und agiert strategischer als früher. Zugleich ist er aber seit Jahrzehnten chronisch unterforscht, sodass mit Blick auf die Dynamiken und Strukturen im Linksextremismus große Wissenslücken bestehen.
Das coreNRW-Kurzgutachten von Prof. Tom Mannewitz (Hochschule des Bundes) zeichnet die jüngeren Entwicklungen im Linksextremismus in Nordrhein-Westfalen nach und gleicht den gegenwärtigen Wissensstand mit den aktuellen Beobachtungen ab. Welche Wissenslücken bestehen und wo sollte die wissenschaftliche Auseinandersetzung ansetzen, um diese Wissenslücken zu schließen? Tom Mannewitz stellt seine Befunde in dieser coreNRW-Werkstatt vor. Jan Nastke und Andreas Stiewe von IFAK e.V. diskutieren und ergänzen die Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Blickwinkel langjähriger Praxiserfahrung in der Multiplikator:innen-Ausbildung in der phänomenübergreifenden Präventionsarbeit und Demokratieförderung.
30 Jahre nach der Studie „Verlockender Fundamentalismus“ widmet sich die Fachtagung aktuellen Entwicklungen in Forschung, Prävention und Bildungsarbeit rund um Islamismus, Radikalisierung und antimuslimischen Rassismus. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu gesellschaftlicher Polarisierung, digitalen Radikalisierungsprozessen, Diskriminierungserfahrungen sowie Ansätzen wirksamer Präventionsarbeit. Das Programm umfasst Keynotes renommierter Wissenschaftler:innen, Paneldiskussionen, Werkstattgespräche und praxisnahe Fallbeispiele zu Themen wie digitale Räume, Geschlechterrollen, psychische Gesundheit, Schule und Jugendarbeit. Zum Programm.
Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte aus schulischer und außerschulischer Bildungs- und Jugendarbeit sowie Mitarbeitende aus Verwaltung, Prävention und Zivilgesellschaft.
Am Freitag, 26. Juni 2026 wird der Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld erneut zum Ort für Begegnung, Musik und gelebte Demokratie: Beim Demokratie-Festival „Vielfalt lieben – Dorstfeld leben“ erwartet Besucher*innen von 11 bis 21 Uhr ein vielfältiges Programm. Gemeinsam mit Vereinen, Initiativen, Schulen und Einrichtungen aus Dorstfeld und ganz Dortmund laden die Quartiersdemokraten zu einem bunten Fest ein, das Vielfalt sichtbar macht und Menschen zusammenbringt.
Neben Mitmachaktionen, kreativen Angeboten für Kinder und Familien, Informationsständen und kulinarischen Angeboten gibt es den ganzen Tag über Musik, Kultur und Raum für Austausch und Begegnung. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr besonders die gemeinsame Atmosphäre auf dem Platz: Das Festival soll ein offener Ort des solidarischen Miteinanders sein – lebendig, vielfältig und demokratisch. Ein Highlight bildet das Abendprogramm unter dem Motto „Dorstfeld stabil“: Ab 19 Uhr spielen die Bands Bruchbude und Hinterlandgang auf dem Wilhelmplatz und setzen gemeinsam mit den Besucher*innen ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt, Vielfalt und eine demokratische Stadtkultur.
Am Samstag, 27. Juni 2026, lädt das NS-Dokumentationszentrum Köln von 11 bis 18 Uhr zu einem Mitmachtag rund um die Arbeit an unserer Demokratie ein. Angesichts wachsender Zustimmung zu antidemokratischen Positionen und zahlreicher gesellschaftlicher Herausforderungen stellt die Veranstaltung die Fragen: Was beschäftigt uns mit Blick auf unsere Demokratie? Was können wir konkret tun, um gesellschaftliches Engagement zu stärken und gemeinsam zu gestalten?
Besucher:innen erwartet ein vielfältiges Programm mit einer großen Mitmach-Baustelle, spielerischen Diskussionsräumen, politischen Initiativen aus Köln sowie zahlreichen Mitmach- und Austauschformaten. Ein besonderes Highlight ist der Live-Podcast „Kleine Pause“ mit Nicole Schweiß im Gespräch mit Alice Hasters. Darüber hinaus gibt es Einblicke in die Ausstellung „WE … TOGETHER – gemeinsam. demokratisch. handeln“ sowie in das interaktive Spiel „Remote Island – Abenteuer Demokratie auf einer Insel“ des NS-Dokumentationszentrums. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Zum Programm
Die Veranstaltung findet im NS-Dokumentationszentrum (Appellhofplatz 23–25, 50667 Köln) statt. Der Eintritt ist frei.
Islam von Islamismus unterscheiden: Informationsreihe für pädagogische Fachkräfte
Die Landeszentrale für politische Bildung NRW lädt am 30. Juni 2026 in Bielefeld (Anmeldeschluss: 16. Juni 2026) pädagogische Fachkräfte zu einer Informationsveranstaltung in der Volkshochschule Bielefeld (Ravensberger Park 1, 33607 Bielefeld) ein, die sich mit der notwendigen Unterscheidung zwischen dem Islam als Religion und extremistischen Strömungen wie dem Islamismus befasst.
Musliminnen und Muslime sind selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft und prägen das Zusammenleben in NRW maßgeblich mit. Dennoch werden Vielfalt und unterschiedliche Formen gelebter Religiosität in der öffentlichen Wahrnehmung häufig von Stereotypen, Ängsten und pauschalen Zuschreibungen überlagert. Die Reihe greift diese Problematik auf, informiert über den gelebten Islam in NRW und klärt zugleich über die Gefahren auf, die von islamistischen Bestrebungen ausgehen, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen.
coreNRW Netzwerktreffen: Geschlechterrollen in Radikalisierung und Prävention
Am 02. Juli 2026 findet von 10-16 Uhr das coreNRW-Netzwerktreffen in der DJH Düsseldorf (Düsseldorfer Str. 1, 40545 Düsseldorf) statt. Thema des diesjährigen Netzwerktreffen ist die Bedeutung von Geschlechterrollen in Radikalisierung und Prävention.
In Geschlechterrollen verknüpfen sich die Ordnungs-, Macht- und Identitätsangebote extremistischer Ideologien. Vor allem im Islamismus und im Rechtsextremismus sind „wahre“ Weiblichkeit und „echte“ Männlichkeit wiederkehrende, konstituierende Narrative. So gilt in diesen Ideologien die Auflösung „klassischer“ Geschlechterverhältnisse als ein Symptom und zugleich als eine Ursache des erzählten gesellschaftlichen Niedergangs. Hieran knüpfen Ansprachestrategien extremistischer Gruppen an.
Es zeigt sich, dass zentrale theoretische Ansätze der (De-)Radikalisierungsforschung überwiegend geschlechtsneutral formuliert sind. Dabei wird übersehen, dass ihre zentralen Konzepte hochgradig vergeschlechtlicht sind und selbst vergeschlechtigend wirken. In der Literatur finden sich entsprechend geschlechtsspezifische Stereotype und Vorurteile, die es zu überwinden gilt. Gleiches gilt auch für Forschungen zu Loslösungs- und Distanzierungsprozessen. Die Radikalisierungsforschung nimmt Genderaspekte in den vergangenen Jahren verstärkt in den Blick und hat begonnen, die Verschränkungen von Geschlechterperspektiven mit Migration, Klasse und Religion in die Untersuchung von Extremismus, ihre Machtdynamiken und Dominanzsystem einzubeziehen. Forschung dazu ist jedoch noch rar. Aktuell fehlt eine systematisch konzeptionelle Rahmung und insbesondere der Vergleich zwischen Phänomenbereichen und Radikalisierungskontexte.
Auf diesem Netzwerktreffen möchte sich das Forschungsnetzwerk coreNRW mit dem Stand der Forschung und der Präventionspraxis befassen. Anmeldungen per E-Mail an doering@core-nrw.de, bitte mit Angabe der institutionellen Anbindung der Wunsch-Session am Nachmittag.
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