Die Zahl der dokumentierten antimuslimischen Vorfälle in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus dem „Lagebild zu antimuslimischem Rassismus in Deutschland 2025“ der CLAIM Allianz hervor. Demnach wurden 4.096 Vorfälle erfasst – durchschnittlich mehr als elf pro Tag. Gegenüber 2024 mit 3.080 Fällen entspricht dies einem Anstieg um 33 Prozent.
Die Dokumentation umfasst verschiedene Formen antimuslimischer Anfeindungen. Den größten Anteil machten verbale Angriffe mit 2.379 Fällen aus. Hinzu kamen 840 Diskriminierungen sowie 680 Fälle verletzenden Verhaltens. Auch bei schweren Delikten wurden höhere Fallzahlen registriert: Das Lagebild dokumentiert zwei Tötungsdelikte, 214 Körperverletzungen, darunter vier schwere Körperverletzungen beziehungsweise versuchte Tötungen, 320 Sachbeschädigungen, fünf Brandstiftungen sowie 139 weitere Delikte wie Raub oder Störung der Totenruhe. CLAIM sieht darin eine zunehmende Enthemmung und Brutalität.
57,8 Prozent der Vorfälle ereigneten sich im analogen Raum, 42,2 Prozent online. Aufgrund begrenzter Kapazitäten konnte jedoch nur ein Teil der Online-Fälle vertieft ausgewertet werden. Nach Angaben von CLAIM tritt antimuslimischer Rassismus in allen gesellschaftlichen Bereichen auf – etwa im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz, im Wohnumfeld und im Internet.
Betroffen seien sowohl Musliminnen und Muslime als auch Menschen, die unabhängig von ihrer tatsächlichen Religionszugehörigkeit als muslimisch wahrgenommen werden. 907 dokumentierte Vorfälle richteten sich gegen Einzelpersonen, 115 gegen Gruppen. Zudem wurden 64 Angriffe auf religiöse Einrichtungen oder religiös wahrgenommene Orte registriert, darunter 61 Angriffe auf Moscheen.
In 64,5 Prozent der Fälle mit Angaben zum Geschlecht waren Frauen betroffen. Nach Einschätzung von CLAIM sind insbesondere sichtbar muslimische Frauen häufig von einer Überschneidung rassistischer und sexistischer Diskriminierung betroffen. Das Lagebild stellt zudem einen Zusammenhang zwischen antimuslimischen Vorfällen und Debatten über Sicherheit, Migration und Asyl her. Betroffene seien unter anderem als „Terroristen“, „Islamisten“ oder „Messerstecher“ beschimpft worden; auch online würden Muslime häufig pauschal als Bedrohung dargestellt.
Die Autoren betonen, dass die steigenden Fallzahlen nicht ausschließlich auf eine tatsächliche Zunahme antimuslimischer Vorfälle zurückzuführen seien. Der Ausbau des Monitorings habe dazu beigetragen, mehr Betroffene zu erreichen und Vorfälle umfassender zu erfassen. Gleichzeitig geht CLAIM von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Vorfälle nicht gemeldet oder angezeigt würden.
Zudem berichtet die Organisation von einem geringen Vertrauen vieler Betroffener in staatliche Institutionen und teilweise auch in zivilgesellschaftliche Stellen. Unter Verweis auf den NaDiRa-Monitoringbericht des DeZIM-Instituts wird auf einen Rückgang des Vertrauens muslimischer Menschen in politische Institutionen hingewiesen.
CLAIM sieht in der kontinuierlichen Dokumentation antimuslimischer Vorfälle eine wichtige Grundlage für Prävention und Unterstützung von Betroffenen. Zugleich betonen die Autoren, dass die Daten keine repräsentativen Aussagen über das tatsächliche Ausmaß antimuslimischen Rassismus in Deutschland erlauben. Das Lagebild enthält darüber hinaus Handlungsempfehlungen zum Schutz Betroffener und zum Abbau antimuslimischen Rassismus.